Uwe Dick: „Ich schreibe um mich selbst zu überraschen“

Hörspiel Pool – Bayern 2 – 23.9.12

hier abhörbar

Uwe Dick steht für Denklust und sprachliche Schnellkraft. Viele seiner Wortschöpfungen – ob »Konsumwichtl«, »Synthetikbimbo« oder »Keandlbuddhist« – sind bereits Allgemeingut; der Mundfunk verbreitet seine Quintessenzen. Auch diese: »A Quintessenz is a Essenz, de ma quint, wemma lang gnua nochdenkt.« Oder: »Verklemmte lachen nicht. Sie licheln. Wenns hoch kommt, schaffen sie ein Löcheln.«

Dem Bürgerrechtler »Im Namen des Baumes/ und seines eingeborenen Sohnes,/ des Buntspechts« ist Poesie eine Lebensweise, nicht aber, wie für so manche, ein schöngeistiges Alibi im Produktionskrieg wider die Natur. Nein, sie ist »Nervenkunst, Unberechenbarkeit, Revolte gegen Todesindustrie, Amokwirtschaft, Regierungskriminalität, duckdeutsches Ja-und-Amen«.

Die Wortkonzentrate des »Sozial-Brachylogen« verstehen die meisten gut, aber oft nicht gern. Der Beziehungs- und Anspielungsreichtum seiner Notate, ihre dialektische Vernetzung (Schrift-Fallen-Stellerei), die Wechsel von affekthaltigen und bildhaften Figuren, überraschende Bewegungskurven durch Spruch und Widerspruch, »Vokabelargwohn anzuregen«, suchen den hellwachen Hörer und konzentrierten Leser. Die aber sind rar im allmächtigen Unterhaltungsfaschismus, der auf Zerstörung (von Bedenken) abzielt, auf kollektive Amnesie, Volksverblödung; die »Romanufaktur von Kiloware« nicht ausgenommen: »Legos statt Logos«, gedruckte Konversation pp.

Während die literarischen Türhüter Uwe Dicks Bücher jahrzehntelang unterschlugen, gewannen seine Rezitals ein beträchtliches Publikum. Aber unbeirrbar – auch im Erfolg – drängt er aufs »verläßliche Wort«, dem die Tat entspricht: Biographie statt Karriere. Solche Authentizität schafft soziale Bindungen, »kann herausführen aus der sogenannten »Identitätskrise«, jener vielbequatschten Ausrede für jedermann, vom saturierten Doppelkinnhead obenauf … bis zum uniformierten Mob im staatlichen Ehrenschmutz.«

»Ich bin Monarchist. Es lebe der Zaunkönig!« Dieses Nein mit Witz und Galle weiß, daß es weder mehrheitsfähig, noch lukrativ ist. Doch welche poetische Qualität ihm zuwächst, das zeigen alle Komprimate und zahlreiche Tondokumente.





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