Sepp Bierbichler liest aus „Mittelreich“

radioTexte – Bayern 2 – 21.8.2011

Episode1

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Episode 3

Beschreibung von radioTexte: Eigentlich wollte Pankraz Musiker werden, aber nach den Stürmen des Himmels und der kriegerischen Zeiten wird er dann doch Seewirt, Familienoberhaupt, ländlicher Unternehmer im leuchtend gelben Bauernrenaissanceschlösschen, draußen vor den großen Toren der Stadt „Minga“, direkt am Seeufer. Mehr und mehr kommen Städter aufs Land, seit die Bahn hinausfährt. Aus Füllwörtern wie Wochenendvilla und Baden werden Bedürfnisse. Mit den Gästen zieht etwas Welt aufs Land, versöhnen sich Norden und Süden, scheinbar wenigstens. Bis Fremde auf Dauer kommen, Zwangsarbeiter, Flüchtlinge, Menschen wie Viktor, der Bankangestellte aus Polen; Herr Hanusch, dem die Russen die Heimat nahmen, das feine, aber falsche Fräulein Zwittau, das nach Jahrzehnten für eine große Überraschung sorgt. Es kommen Kriegsversehrte, Armamputierte, Beinlose, Verwirrte und später die „Itaker“ in ihren himmelblauen Kunststoffhemden, die wissen, wie man mit Frauen umgeht. Sie alle bringen ihre Geschichten mit, als Täter und Opfer, als Hochstapler und Traumatisierte, vom Schicksal Getriebene, bis sich aus der Fülle der Biographien ein großes Panorama des 20.Jahrhunderts ergibt, von den großen Kriegen über Adenauerdeutschland bis zur Pershing-Debatte. Ein Spiegel des ganzen Landes, aber regional verwurzelt, fesselnd und mit enormer Verve erzählt in einer drängenden, energiegeladenen Sprache, die ihren Ursprung im Bairischen hat, aber zur Kunstsprache geworden ist. Erfundene Geschichten, die alle im wahren Leben gründen. Aus Bauernland werden Badeplätze, aus den Sensen motorisierte Maschinen in diesem Dorf am See, das zur Bühne wird für Stammtischreden und Sauschlachten, Familiendramen und Ehetragödien, Streuwiesenmähen und Währungsreform. Erzählt von einem „Chronisten“, der auf der Hälfte des opulenten Romans plötzlich „Ich“ sagt und sich als Sohn des Seewirts erweist. Wucht und Wut, Not und Verzweiflung, die ganz großen Gefühle schwingen in seiner Erzählung immer mit, erst recht, wenn es um fröhliche Pater und die Klosterschule geht. – Josef Bierbichler, dem wirkungsvollen Theater- und Filmschauspieler, ist mit „Mittelreich“ ein ganz großer Wurf gelungen, ein Glücksfall der Erzählkunst, spannend, drastisch, schmerzhaft, sensibel.


2 Antworten auf „Sepp Bierbichler liest aus „Mittelreich““


  1. 1 Administrator 20. November 2011 um 15:46 Uhr

    Hat das schon wer ganz gelesen? Würd mich interessieren wie es so ankommt.

  2. 2 Administrator 04. Dezember 2011 um 20:50 Uhr
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